Es begann mit einem vermissten Mädchen namens Anna. Und es endete mit einem Shitstorm, den ich so nicht erwartet hatte. Aber der Reihe nach.
Vor ein paar Tagen habe ich auf Facebook einen Post geteilt. Eine Frau namens Anna wird seit Wochen vermisst. Ich wollte helfen, aufmerksam machen, teilen. Das ist eigentlich das Selbstverständlichste der Welt.
Dann habe ich etwas geschrieben, was mir ehrlich von der Seele ging. Ich habe erwähnt, dass Mallorca im Frühjahr von bestimmten Gruppen heimgesucht wird, die für einen erheblichen Teil der Kriminalität auf der Insel verantwortlich sind. Und ich habe extra dazugeschrieben: und sonstige Schurken. Weil es natürlich nicht alle trifft. Weil ich das weiß.
Was ich selbst erlebt habe
Ich lebe seit Jahren auf Mallorca. Ich liebe diese Insel von ganzem Herzen. Aber ich wäre nicht ehrlich, wenn ich nicht auch von den Schattenseiten sprechen würde.
Man hat mir mein Autofenster eingeschlagen. Mitten am Tag, an einem Ort, den ich für sicher hielt. Und dann war da noch etwas, das mich bis heute nicht loslässt: Eine Nachbarin, die mir nicht wohlgesonnen war und meine Hunde hasste, hat die Schrauben an meinem linken Vorderreifen gelockert. So weit, dass ich auf der Autobahn ein Rad verloren habe. Sie hatte es angekündigt. Und sie hat es wahr gemacht.
Ich bin sexuell belästigt worden. Ich bin körperlich angegangen worden. Das sind keine abstrakten Statistiken, das ist mein Leben, das ist mein Alltag, das ist mein Körper.
Als Frau, die allein auf einer Insel lebt und arbeitet, entwickelt man einen Instinkt. Man weiß, wann es brenzlig wird. Man weiß, in welchen Gegenden man nachts besser nicht allein läuft. Man weiß, welche Situationen sich gefährlich anfühlen. Das ist kein Vorurteil. Das ist gelebte Realität.
Mallorca ist eine wunderschöne Insel. Aber wie jede touristische Region hat sie ihre Problemzonen und ihre saisonalen Herausforderungen. Darüber zu schweigen, schützt niemanden.
Der Shitstorm
Was dann passierte, war überwältigend. Nicht im positiven Sinne. Die Rassismuskeule kam sofort, hart und laut. Ich sei eine Rassistin. Ich sei gefährlich. Ich solle meinen Mund halten.
Was mich dabei am meisten trifft: Niemand hat gefragt, was mir passiert ist. Niemand hat nachgefragt, woher meine Einschätzung kommt. Niemand wollte wissen, was ich erlebt habe. Stattdessen wurde ich sofort in eine Schublade gesteckt und die Schublade wurde zugeknallt.
Was ich sagen muss
Ich bin eine Frau. Ich habe Erfahrungen gemacht, die mir niemand ausreden kann. Und ich lebe in einem Land, in dem Meinungsfreiheit ein Grundrecht ist.
Es gibt einen großen Unterschied zwischen Hass und Erfahrung. Ich hasse niemanden. Ich misstraue keiner Person pauschal aufgrund ihrer Herkunft. Aber ich spreche über Muster, die ich selbst erlebt habe, und über Probleme, die real sind.
Die Antwort auf unbequeme Wahrheiten kann nicht sein, denjenigen zum Schweigen zu bringen, der sie ausspricht. Das ist keine Debattenkultur. Das ist Einschüchterung.
Offensichtlich haben viele Menschen das Bedürfnis, über genau diese Dinge zu reden. Viele, die mir privat geschrieben haben, waren dankbar. Frauen, die ähnliches erlebt haben. Expats, die sich nicht trauen, es öffentlich zu sagen.
Das ist der Living Room Mallorca. Hier wird gesprochen. Offen, ehrlich, manchmal unbequem. Und immer mit dem Ziel, das echte Leben auf dieser Insel sichtbar zu machen. Das Schöne und das Schwierige.
Anna, ich hoffe, du wirst gefunden. Und ich hoffe, dass wir als Gemeinschaft lernen, über die Dinge zu reden, die uns wirklich bewegen. Auch wenn es wehtut. Auch wenn es anstrengt. Auch wenn die Tastatur der anderen dabei glühend heiß wird.
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