Manche Ankünfte brauchen keine Pressemitteilung. Als die Maltese Falcon vor wenigen Tagen still und souverän in Port Adriano einlief, blieb der halbe Hafen stehen. Drei 58 Meter hohe Karbonmasten. Schlank wie Klingen. Geometrisch wie Skulpturen. Sie ragten über die mallorquinische Küstenlinie, als wolle die Yacht der Insel etwas beweisen. Und das tut sie. Jedes Mal wieder.
Ich dachte erst, es wäre die Black Pearl. Bis ich genauer hingeschaut habe.
Was steckt hinter dieser schwimmenden Legende?
Die Maltese Falcon misst 88 Meter. Sie gilt als eines der größten und innovativsten Segelschiffe, die je gebaut wurden. Fertiggestellt 2006 bei der Werft Perini Navi in Istanbul. Berühmt für ihr revolutionäres DynaRig System. Drei freistehende, rotierende Karbonfasermasten, die das Schiff mit beeindruckender Effizienz und minimaler Besatzung segeln lassen.
Das Herzstück: 15 quadratische Segel, so angeordnet, dass sie zusammen wie ein einziges Tragflächenprofil wirken. Vollautomatisch. Auf Knopfdruck. Theoretisch von einer einzigen Person bedienbar. Kein Rigg. Keine Leinen. Nur reine Physik.
| Name | Maltese Falcon |
| Länge | 88 Meter (289 ft) |
| Masten | 3 × DynaRig (FalconRig), je 58 m hoch |
| Segelfläche | rund 2.400 m² |
| Baujahr | 2006 |
| Werft | Perini Navi, Istanbul |
| Design | Ken Freivokh (Innen und Außen) |
| Navarchitektur | Dykstra Naval Architects |
| Schätzwert | ca. 75 Millionen US Dollar |
| Baukosten | über 150 Millionen US Dollar |
| Betriebskosten | ca. 8 Millionen US Dollar pro Jahr |
| Antrieb | 2 × DEUTZ Dieselmotoren plus Segel |
| Höchstgeschwindigkeit | bis zu 24 Knoten unter Segel |
| Reisegeschwindigkeit | 14 bis 16 Knoten |
| Reichweite | 3.000 Seemeilen |
| Erstbesitzer | Tom Perkins (Silicon Valley, Kleiner Perkins) |
| Eigentümerin | Elena Ambrosiadou, Hedgefonds Managerin, Ikos Asset Management, London |
| Eigentümerwechsel | 2009 von Perkins an Ambrosiadou |
| Crew | 18 bis 19 Personen |
| Gäste | bis zu 12 |
| Kabinen | 6 (1 Master Full Beam, 1 VIP, 4 Doppelkabinen) |
| Charter | ab 490.000 US Dollar pro Woche |
| Letzter Refit | 2022/23 (Lusben Werft) |
| Auszeichnungen | 18+ Awards, u.a. „Finest Superyacht Ever" |
| Besonderheit | Weltgrößtes Open Air Kino auf See. Projektion direkt auf die Segel. |
Ausstattung: Ein schwimmendes Fünf Sterne Resort
Nach dem großen Refit 2022/23 glänzt die Falcon mit einem neuen Kinosaal auf dem Hauptdeck. Dazu ein japanisch inspirierter Speisesaal und Starlink WLAN. Spa mit Masseuse an Bord. Gym. Jacuzzi. Ein komplettes Wasserspielzeug Arsenal: Jet Skis, Sea Bobs, Windsurfbretter, mehrere Tenders.
Das krönende Highlight bleibt das weltgrößte Open Air Kino auf See. Filme werden direkt auf die Segel projiziert. Unter dem Sternenhimmel Mallorcas. Wer das einmal erlebt hat, vergisst kein Multiplex der Welt mehr.
„Sie braucht keine Erklärung. Keine Fanfare. Sie fährt einfach ein. Und der Rest schweigt."
Warum Port Adriano? Und warum Mallorca?
Die Maltese Falcon ist vollständig für Charter in spanischen Gewässern lizenziert. Sie hat sogar den Palma Superyacht Cup gewonnen. Eine Verbindung zur Insel, die seit Jahren gepflegt wird.
Port Adriano, entworfen von Philippe Starck, ist schlicht der einzige Hafen auf der Insel, der dieser Yacht gerecht wird. Das türkisfarbene Wasser. Die Stille morgens. Die Nähe zu Palmas bester Gastronomie. Es ist kein Zufall, dass die ganz großen Segler immer wieder hierher zurückkehren.
Und dann ist da noch ihre große Schwester: Die Black Pearl
Die Maltese Falcon ist nicht allein. Sie hat eine Nachfolgerin. Größer. Moderner. Noch radikaler. Die Black Pearl legte das DynaRig Konzept neu auf und stellte 2018 alles in den Schatten, was bis dahin als unmöglich galt.
⚡ Warum dieses Schiff so besonders ist
Die Black Pearl ist mehr als eine Yacht. Sie ist ein Konzept. Die meisten Superyachten sind Statussymbole. Die Black Pearl ist zusätzlich eine Haltung. Sie zeigt, dass Luxus sich verändert. Weniger laut. Mehr Substanz. Sie liegt im Hafen und wirkt trotzdem, als würde sie jederzeit verschwinden können. Richtung Horizont. Richtung Freiheit.
Nicht protzig. Sondern fast schon überlegen ruhig.
| Name | Black Pearl |
| Länge | 106,7 Meter |
| Masten | 3 × DynaRig, je 70 Meter hoch |
| Segelfläche | rund 2.900 m² |
| Baujahr | 2016, Auslieferung 2018 |
| Werft | Oceanco, Niederlande |
| Design | Ken Freivokh |
| Schätzwert | über 200 Millionen Euro |
| Antrieb | Hybrid: Segel plus MTU Diesel plus Elektromotor |
| Höchstgeschwindigkeit | bis zu 30 Knoten (Segel), 17,5 Knoten (Motor) |
| Besonderheit | Propeller erzeugt Strom unter Segelbetrieb |
| Atlantiküberquerung | möglich mit minimalem Treibstoffverbrauch |
| Erstbesitzer | Oleg Burlakov (russischer Milliardär, †2021) |
| Eigentümer | Familie Burlakov |
| Crew | 27 Personen |
| Gäste | bis zu 12 |
| Ausstattung | Jacuzzi, Beach Club, Kino, Tender Garage, Spa |
| Charter | ab ca. 830.000 Euro pro Woche |
| Auszeichnung | Sailing Superyacht of the Year 2019 |
Mein persönlicher Moment
Ich sitze da. Schaue raus auf das türkisfarbene Wasser von Port Adriano. Und denke mir: Es geht nicht immer darum, lauter zu werden. Manchmal reicht es, klarer zu sein als alle anderen.
Mallorca ist ein Ort der Gegensätze. Einfachheit und Exzess. Natur und High End. Finca und Megayacht. Diese Schiffe bringen genau das zusammen. Sie brauchen keine Ansage. Sie fahren einfach ein.
Das ist echte Größe.
Quellen
Majorca Daily Bulletin, Euro Weekly News, Wikipedia, Burgess Yachts, IYC Charter, Boat International, Yanko Design, SuperyachtFan, CharterWorld
📸 Foto: © Zak Barker | Port Adriano, Mallorca, April 2026
