DJ Marci – Der Stimmungsgarant mit grünem Daumen 🎧🌿

Ein Gespräch über Kreuzfahrtschiffe, Corona und neue Lebenswege auf Mallorca – erzählt aus Palma.

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„Sein Lebensmotto: Hände hoch und tanzen, bis der Arzt kommt."

DJ Marci
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🎵 Bekannte Songs

Hirsch (mit Stefan Stürmer) · Heimweh nach AIDA · Affenzoo · Der La La La Song · Moin Moin Mallorca

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Er sieht nicht aus wie 43. Das sagt man ihm oft, und er nimmt es mit einem Lächeln, das verrät: Der Mann hat schon einiges erlebt. DJ Marci sitzt mir gegenüber in Palma, dort wo die Touristen noch nicht ganz so laut sind wie am Ballermann, aber nah genug dran, um das Herz der Partyinsel schlagen zu hören.

Seit 2021 ist Mallorca seine Homebase. Davor? Über 600 Seetage auf AIDA-Schiffen, verteilt auf die Weltmeere. Norwegen, Karibik, komplette Kontraste. „Meine Kabine war immer gleich eingerichtet", erzählt er. „Egal welches Schiff – ich kam immer nach Hause."

🎤 Zahlen & Fakten: Bis zu 300 Auftritte im Jahr, zwei bis drei am Tag. Morgens auf der Berghütte, mittags an der Piste, abends im Club. Eine Woche lang, jeden Tag. „Da kommt was zusammen." Sein Rekord: 21 Auftritte in 7 Tagen beim Après-Ski.

🥁 Vom Versicherungskaufmann zur Stimmungsgranate

Die Musik liegt ihm im Blut – seine ungarische Familie besteht aus Schlagzeugern. Papa, Opa, alle am Schlagzeug. Marci hatte als Kind einen ungarischen Privatlehrer, war im Musikverein. Doch er merkte früh: Das Kollektiv ist nichts für ihn. „Ich wollte das alleine machen." Mit 33 kaufte er sich seine erste Anlage, war vorher schon der Halbzeit-DJ beim Fußball. Dann AIDA. Dann Corona.

Was folgte, klingt wie ein Horrorfilm: Vier Wochen eingesperrt in Dubai. Auf dem Schiff eingesperrt, 23 Stunden am Tag unter Deck, kein Tageslicht. Einmal 150 Corona-Fälle an Bord, Passagiere, die nicht wussten wohin, und Marci, der kurzerhand das halbe Schiff eincheckte, weil kein anderer Mitarbeiter mehr da war.

„Da geht dein Leben nochmal an dir vorbei. Und dann betrittst du wieder Land und sagst: Da geh ich nicht mehr zurück."

🏝️ Mallorca ruft – per Zufall

Ein Kumpel, ehemaliger AIDA-Fitnesscoach, wollte sich in Port Andratx selbstständig machen. Marci kam mit, der Kumpel musste eine Woche später zurück nach Deutschland. Plötzlich saß Marci allein da – mit Auto, Wohnung und einer Insel vor sich.

Zwei Wochen später hatte er einen Job im Münchner Kindl – einer der wenigen Läden, die während Corona offen hatten. Er zog nach Can Pastilla, wo er heute noch wohnt.

„Ich hab mir den Arsch aufgerissen", sagt er. „Jeden Tag Musik gemacht, jeden Tag aufgelegt. Und so bin ich ins ganze Ballermann-Thema reingekommen." Er war einer der wenigen DJs vor Ort und nutzte den Moment. Während andere Läden dicht machten, machte Marci Party.

🌿 Der Teil, über den viele lieber flüstern

Dann kommt das Thema, das ihn wirklich bewegt. DJ Marci spricht über etwas, das für viele noch immer mit Vorurteilen belegt ist – obwohl es für ihn vor allem eine Frage von Einordnung und Verantwortung ist. Er unterscheidet klar zwischen Mythos und Realität, zwischen pauschaler Verurteilung und bewusster Nutzung. Für ihn geht es nicht um Exzesse oder Verdrängung, sondern um Verständnis.

„Das sind keine harten Drogen, keine chemischen Substanzen. Das ist eine Pflanze, die aus dem Boden wächst und riecht und wirkt. Und damit eine Menge Diskussionen auslöst."

Er vergleicht es mit Alkohol: „Ein Radler ist was anderes als ein Schnaps. Bei einer Pflanze ist es genauso. Es gibt Radler, es gibt Schnaps, es gibt Moët."

Der Unterschied zum Schwarzmarkt? Beratung. Qualität. „Die Leute, die irgendwo anonym kaufen, wissen nicht, was sie wirklich bekommen. In einem geschützten Rahmen wirst du beraten. Was passt zu wem? Was wirkt wie? Das ist beratungsintensiv."

Für ihn ist das so normal wie für andere das Feierabendbier. Seinen Eltern hat er es erst vor zwei Jahren erzählt. „Das musste aufhören, dass ich mich vor ihnen verstecke. Mein Vater kann vor mir 20 Bier trinken, meine Mutter hat früher geraucht wie ein Schlot. Und ich soll mich für etwas schämen?"

Er spricht auch über die rund 50 Cannabis Social Clubs auf der Insel – private Mitgliederstrukturen, in denen Aufklärung, Beratung und ein verantwortungsvoller Rahmen im Vordergrund stehen. Mallorca sei „das Marihuana-Paradies Europas", sagt er, „die Leute haben es nur noch nicht gecheckt."

💡 Was meint er mit „Social Clubs"?

Private Mitgliederstrukturen, in denen Aufklärung, Beratung und ein verantwortungsvoller Rahmen im Vordergrund stehen. Es geht um Einordnung statt Tabu und um bewusste Entscheidungen statt Klischees. Der Konsum in der Öffentlichkeit bleibt auf Mallorca illegal – die Clubs bieten einen geschützten Rahmen.

🎯 Die Botschaft

Am Ende des Gesprächs hat er noch eine Message, besonders an die Jüngeren:

„Informieren und dann konsumieren."

Ein simpler Satz, aber einer, der den ganzen Mann zusammenfasst. DJ Marci ist kein Rebell. Er ist ein Pragmatiker mit Rhythmus im Blut und einem klaren Kompass: Entstaubung statt Empörung.

Und während ich meinen Kaffee austrinke, steht er auf, um seinen nächsten Gig vorzubereiten. Irgendwo zwischen Ballermann und Bergidyll wird er heute Nacht wieder Hände in die Luft reißen lassen. Und danach? Vielleicht ein kleines Tütchen in ruhiger Atmosphäre. Ganz entspannt. Ganz normal. 🎧

Regine Semmelrogge

Regine Semmelrogge

Bloggerin, Podcasterin und Mallorca-Insiderin. Ich treffe die Menschen hinter den Geschichten – und erzähle sie so, wie sie wirklich sind.

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